· Aktuelles · Nils Deimel
75 Jahre LSC Bad Homburg
Von der Vereinsgründung in einem Bad Homburger Hotel zum sportlichen Aushängeschild der RegionBold
Der LuftsportClub Bad Homburg e. V. (LSC) feiert in diesem Jahr sein 75jähriges Bestehen. Was heute ein leistungsstarker, moderner Luftsportverein mit international erfolgreichen Piloten und einem fest etablierten Fluggelände im Erlenbachtal ist, begann 1951 mit einer Vision – und mit dem Mut, sich über scheinbar unüberwindbare Hindernisse hinwegzusetzen. Als sich am 23. Mai 1951 im Bad Homburger “Hotel zum Taunus“ mehrere Luftsportbegeisterte zur Gründung des LSC zusammenschlossen, war das Fliegen in Deutschland noch verboten. Ein Gesetz des Alliierten Kontrollrats untersagte die Ausübung des Luftsports ausdrücklich. Doch die Gründer um Wilhelm Riehl und Heinrich Engländer wollten sich damit nicht abfinden. Sie fanden eine juristische Lücke – und nutzten sie: Der Bau von Segelflugzeugen war erlaubt.
So entstand in mühsamer Eigenarbeit das erste Vereinsflugzeug, ein Grunau Baby III. Materialmangel, improvisierte Werkstätten und fehlende Werkzeuge verlangten allen Beteiligten Durchhaltevermögen ab. Als das Flugzeug 1953 auf dem Kurhausvorplatz getauft wurde und der Verein eine Spende über 1.000 DM erhielt, war das ein Meilenstein.
Doch ein Flugzeug allein macht noch keinen Flugplatz. Es folgten Jahre der Wanderschaft: Egelsbach, Dornbach, Stierstädter Heide, Merzhausen, Ockstadt, Limburg und zahlreiche Wiesen, die immer nur kurzzeitig als Fluggelände in Betracht gezogen und teilweise auch genutzt werden durften. Rückschläge blieben nicht aus. Beim Erproben der NiddaWiesen ging das mühsam gebaute „Baby“ zu Bruch – eine Krise, die den jungen Verein beinahe zerrissen hätte. Erst mit dem Eintritt und der späteren Wahl von Hermann Zitter zum Vorsitzenden gelang es, die Mitglieder neu zu motivieren und den Wiederaufbau anzugehen. Auch Harald Quandt war als Förderer des LSC ein wichtiger Bestandteil der Vereinsentwicklung. Der Durchbruch kam 1956 eher zufällig – bei einem Wandertag im Taunus. Gerd Heinecke entdeckte im Erlenbachtal bei Obernhain ein Wiesengelände, das wie geschaffen schien für den Segelflug. Nach fachlicher Begutachtung war klar: Hier lag das „Eldorado der Segelflieger“. Doch auch dieser Platz musste erkämpft werden. 27 Landwirte, Drainagefragen, sumpfige Stellen, Weidevieh und Skepsis prägten die Anfangsjahre. Zum Zeitpunkt des Umzugs des Vereins in das Erlenbachtal hatte der Verein bereits 80 Mitglieder, wobei über 40% unter 25 Jahre alt waren. Spätestens beim Richtfest einer überwiegend in Eigenleistung erbauten Flugzeughalle im Jahre 1959 war klar: Der LSC war im Erlenbachtal angekommen.
1961, zehn Jahre nach der Gründung, hatte der LSC mehr erreicht als viele vergleichbare Vereine: eigener Flugplatz, Halle, wachsende Mitgliederzahlen, hoher Jugendanteil und sportliche Erfolge. In diesem Jahr zeigte der Verein auch bürgerschaftlichen Gemeinsinn: Mitglieder des LSC restaurierten den historischen Zeppelinstein bei Bad Homburg – ein Symbol der frühen Luftfahrtgeschichte – und übergaben ihn der Stadt. Heute, 75 Jahre nach der Gründung, ist der LSC Bad Homburg ein sportliches Aushängeschild der Region. Mit rund 250 Mitgliedern, davon etwa 140 Aktive, wird der Verein vollständig ehrenamtlich geführt. Besonders im Segelflug zählt der LSC seit Jahrzehnten zu den leistungsstärksten Vereinen Deutschlands. Piloten des Vereins errangen Titel bei Deutschen Meisterschaften, nahmen erfolgreich an Welt und Europameisterschaften teil und fliegen regelmäßig vordere Plätze in der SegelflugBundesliga. Viele der LSC-Piloten waren oder sind Mitglieder der Deutschen Segelflugnationalmannschaft. Besonders hervorzuheben sind dabei Gisela Weinreich, mehrfache Segelflug Europameisterin, Gerd Spiegelberg, Jan Omsels, Tobias Welsch und Steffen Göttler.
Heute ist der Verein mit einem eigenen Fluggelände am Erlenbach, drei Flugzeughallen sowie einem modernen Flugzeugpark und einer vereinseigenen Werkstatt hervorragend aufgestellt. Durch seine Nähe zum Rhein-Main Gebiet hat
der LSC im Vergleich zu anderen kleineren Segelflugvereinen in Deutschland auch keine Schwierigkeiten in der Rekrutierung vom fliegerischen Nachwuchs. Das Fluggelände in Obernhain wird zudem von Zeit zu Zeit für die Austragung von Qualifikationsmeisterschaften genutzt, bei denen der Verein als Ausrichter ehrenamtlich für eine Woche einen Wettbewerb organisiert. In diesem Jahr findet am 22. und 23. August auch wieder ein Flugtag statt, bei dem Interessierte vor Ort die Fliegerei bei Speisen und Getränken bestaunen und erleben können. 