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Eine neue Art die Dinge zu betrachten

11. März 2016 geschrieben von  

Eine Woche Urlaub hatte ich noch, bevor die Uni wieder los ging und ich für eine längere Zeit wieder die Schulbank drücken musste, als ich aus dem Fenster schaute und mich fragte: „Was machst du hier eigentlich?“

Als ich 2009 mit dem Fliegen angefangen habe, hätte ich nie gedacht, welche Leidenschaft und welches Feuer sich da in mir entwickeln würden. Nachdem ich in nach nur einem Jahr und drei Monaten meine Scheinprüfung ablegte, sehnte ich mich schnell nach neuen Herausforderungen. Wettbewerbe, Alpenflug und Trainingslager folgten. Auch ein paar Kunstflüge im Fox durfte ich miterleben. Da war es um mich geschehen. Kunstflug, das wollte ich machen!Gesagt getan. Ich war als Flugschülerin und Scheinpilotin schon oft bei der Deutschen Alpen Segelflugschule (DASSU) in Unterwössen und nach einem Anruf beim Ausbildungsleiter hatte ich für die letzte Augustwoche einen Lehrer und ein Flugzeug.

Samstag, 22. AugustFünf Stunden dauerte die Autofahrt von Stuttgart an den Chiemsee, es war viel zu viel Verkehr aber egal, ich hatte ein klares Ziel. Samstagabend erreichte ich dann endlich das Haus von meinem Onkel in Traunstein, bei dem ich für die Woche unterkommen konnte. Nach einem guten bayrischen Weißbier ab ins Bett, man will zum Fliegen ja fit sein.

Sonntag, 23. AugustEndlich konnte ich zum Flugplatz. Von Traunstein nach Unterwössen sind es ca. 45 Minuten Autofahrt und so musste ich wirklich früh los fahren, denn an der DASSU werden die Hallentore um acht Uhr morgens aufgeschoben. Wunderschönes Wetter und motivierte Flugschüler erwarteten mich. Philipp, mein Fluglehrer für diese Woche, war auch schon ganz „heiß“ aufs Turnen so wie ich. Jan hingegen, der die Flieger einteilte, konnte es immer noch nicht fassen, wie man einfach so sinnlos so viel Höhe vernichten kann. Dazu muss man wissen, dass Jan der „Streckenflug-Guru“ der DASSU ist.

Nach einer theoretischen Einheit schoben wir die D-8999, eine ASK 21, an den F-Schlepp-Start. Der Rückenwind hatte sich gelegt und wir starteten zum ersten Kunstflug. Der Schlepp mit dem Samburo dauerte gefühlt ewig, aber was hatte ich denn erwartet, wenn ich auf 1300 Meter Höhe will. Endlich da oben angekommen hatte ich eine wunderschöne Aussicht auf das Alpenvorland, den wilden Kaiser und den Chiemsee. Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, hatte Jan vielleicht gar nicht so Unrecht. Viel zu schön um die Höhe kaputt zu machen. Aber eben auch nur fast, denn dafür liebte ich das Adrenalin zu sehr.

Philipp und ich meldeten die 99 in der Box an und ab ging’s. Beschleunigen auf 180 km/h und der erste Looping. Wow, dachte ich, ist das geil! Dann mit der ASK 21 in den Rücken und versuchen die Orientierung zu behalten. Gar nicht so einfach wie ich merkte. Und noch ein Problem fand Philipp beziehungsweise sogar zwei: So toll meine Locken doch sind, irgendwie sind sie zum Kunstflug absolut ungeeignet und störend. Die Sicht für Philipp war sagen wir mal „eingeschränkt“. Außerdem bin ich trotz meiner 1,80 m anscheinend zu klein für Kunstflug in der ASK 21. Auf dem Rücken muss man drücken, so viel war klar, aber mein Arm war einfach nicht lang genug, um voll drücken zu können. Für den nächsten Kunstflug brauchten wir also nun ein Haargummi und eine Sitzschale. An diesem Tag machten wir insgesamt fünf Flüge und das Grinsen war nicht mehr aus meinem Gesicht zu bekommen. Stellt sich die Frage, ob das an den G-Kräften lag oder weil ich es einfach super mega cool fand.

Montag, 24. AugustWieder ganz früh zum Flugplatz und dann sagte der Windsack, dass wir erst mal nicht fliegen. Es herrschte Föhn und dann ist es eher eine schlechte Idee, mit der ASK 21 einen F-Schlepp zu machen. Was macht man dann als verantwortungsvoller Student? Natürlich man lernt. Naja so gut es eben geht, wenn man am Flugplatz ist. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, da kam Philipp doch endlich zu mir und sagte, dass wir nun Turnen könnten. Puuuh, ich dachte schon ich muss hier vor den Büchern versauern. Immerhin konnten wir noch zwei Flüge machen. Die Figuren klappten auch immer besser und ich hatte total viel Spaß dabei!

Dienstag, 25. AugustBeim Briefing am Morgen war es mittlerweile Standard, dass Jan mich mit den Worten begrüßte: „Eileen, heute wieder sinnlos Höhe vernichten für dich?“ Die 99 gehörte wieder mir. Nachdem der Rückenwind sich verzogen hatte, wurden wir in die Höhe geschleppt. Alles lief prima und die Figuren klappten wirklich immer besser. Nach der Landung war ich wie immer beflügelt und voller Energie. Philipp stieg aus und fragte, ob ich mir das nun auch alleine zutrauen würde. Natürlich! Nach nur acht Flügen mit Lehrer alleine im Himmel turnen – Wahnsinn dachte ich. Alles klappte prima und nach der Landung sah ich wohl aus wie ein Honigkuchenpferd und konnte nicht aufhören zu Strahlen. An dem Tag folgten noch drei weitere Soloflüge. Jeder am Flugplatz konnte mir ansehen was für einen Spaß ich hatte. Nach dem Fliegen wurde der Grill angeworfen und bei einem gemütlichen Lagerfeuer und „Freiflug Bier“ ließen wir den Abend ausklingen. Glücklicherweise sind Segelflugkameraden immer nett und hilfsbereit, sodass ich die Nacht auf dem Flugplatz verbringen und mir echtes Bier gönnen durfte.

Mittwoch, 26. AugustAusschlafen? Nein, auch heute leider nicht, denn um sieben Uhr gab es Frühstück. Philipp wollte noch einen Flug machen um die Turns zu üben, damit sie noch senkrechter werden (oder überhaupt mal senkrecht sind). Einen super Flug hatten wir und Jörg, Ausbildungsleiter der DASSU und Philipp waren sich einig: „Eileen, du fliegst jetzt das Prüfungsprogramm.“ Öhhm, okay… Das ging jetzt aber schnell. Noch mal an den Himmel. Auf einmal machte sich so etwas wie Nervosität breit. Eine Prüfung, bei der der Prüfer am Boden sitzt – auch komisch irgendwie. Ganz souverän flog ich meine Figuren ab. Noch ein paar Kreise um die Höhe abzubauen und dann in den Queranflug auf die 06. Nach der Landung rollte ich raus auf das Grass, Haube auf und dann kam der Funkspruch, der mein Grinsen noch mehr verbreiterte, wenn das überhaupt noch möglich war. „Eileen prima, herzlichen Glückwunsch zum Kunstflugschein“, teilte Jörg mir mit. Was für ein tolles Gefühl! Ziel erreicht und zwar schneller und besser als gedacht. Beflügelt von den Ereignissen machte ich keine Flüge mehr und die Flugschüler freuten sich über einen weiteren Doppelsitzer zum Schulen. Jetzt musste ich wohl oder übel wieder Bier ausgeben – diese Segelflieger und ihre Bräuche! Zu allem Überfluss hatte ich an diesem Tag auch noch meinen 500. Start absolviert und dreimal könnt ihr raten, was der Kommentar war. Anstatt noch einen Kasten Bier zu kaufen, entschied ich mich, Eis für alle zu besorgen, was angesichts von 30°C Außentemperatur auch für heitere Gesichter sorgte.

Donnerstag, 27. AugustTja, was soll ich denn jetzt machen? Den Schein habe ich nun in der Tasche und weitere Ziele hatte ich mir nicht gesetzt. Beim Briefing konnte ich Jan also erst mal beruhigen und ihm die ASK 21 zum Überlandflug-Training überlassen. Die Arme soll ja nicht verlernen, wie man „anständig“ fliegt.

Philipp und ich setzen uns zusammen und er schlug vor, noch das Bronze-Abzeichen drauf zu setzen. Die Zeit, in der die ASK 21 unterwegs war, nutze ich, um schon mal das Programm für das Bronze-Abzeichen durchzugehen. Ingo, der mittlerweile genauso von meiner Fliegerei angetan war wie die anderen am Flugplatz half mir dabei. Er erklärte mir die Figuren und wie man sie am besten fliegt. Auch er hatte viel Spaß dabei mir zu helfen und meiner Fliegerei zuzusehen.

An diesem Tag lernte ich mal wieder, wie wichtig die Tugend „Geduld“ beim Segelfliegen ist. Die ASK war irgendwie länger weg als gedacht und ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben. Doch glücklicherweise konnten Philipp und ich an diesem Abend noch einen Flug machen. Wir ließen uns auf 1800 m schleppen, um möglichst viel Zeit zu haben, das Bronze-Programm durchzufliegen.

Freitag, 28. AugustMittlerweile war ich dann doch sehr zuversichtlich, dass es mit dem Abzeichen noch klappt. Ich musste unbedingt am Sonntag wieder nach Hause fahren, da am Montag die Uni auf mich wartete. Der Ehrgeiz packte mich und ich war wieder voll motiviert. „Jan ich nehme die 99“, platzte es beim Briefing aus mir heraus. Nein, ich kann nicht genug kriegen davon, musste ich ja zugeben. Ein weiterer Trainingsflug mit Philipp und ich durfte allein üben. Zwei weitere Flüge folgten. Ich stieg aus und war selber sehr überzeugt, dass die Übungen alle fast perfekt geflogen waren. Auch Jörg, Ingo und Philipp bestätigten dies, nachdem sie meine Flüge beobachtet hatten.

Okay, dann ein erneuter Prüfungsflug. Ich stieg gleich wieder in den Flieger und ließ mich in die Luft ziehen. Oben angelangt noch einmal tief durchatmen und volle Konzentration. Mittlerweile konnte ich das Programm auswendig, sodass ich nicht mehr auf den Zettel schauen musste. Nachdem ich alle Figuren abgeflogen hatte, sagte Jörg noch in der Luft, dass ich bestanden hatte. Voller Freude – und mit noch genug Höhe – musste ich einfach noch einen Looping machen. Nach der Landung konnte ich mein Grinsen und meine Freunde nicht verstecken. Es war wunderschön zu sehen, wie auch die anderen daran teil hatten und wie herzlich ich hier aufgenommen wurde.

An den folgenden zwei Tagen machte ich nur noch zwei Flüge zum Spaß und genoss einfach die Umgebung, die Aussicht, das Wetter, meinen Urlaub und die Herzlichkeit am Flugplatz. Es war eine wunderschöne Zeit hier in Unterwössen und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich wiederkommen werde. Diese Woche war einfach der Wahnsinn und ich bin nun voll motiviert, wieder in die Uni zu gehen – also fast.

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