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Grand Prix Sieg

02. September 2016 geschrieben von  

Der Formel-1 Pilot Jan Omsels gewann den britischen Grand-Prix von Bicester/UK. Sie haben noch nie von dieser Rennstrecke gehört? Kein Wunder, sie führt ja auch in luftiger Höhe unter Wolken entlang und ändert sich jeden Tag. Hier wird über den größten Erfolg berichtet, den Omsels, bester Segelflieger des Luftsport Club Bad Homburg (LSC) bisher feiern konnte. Denn der Deutsche Meister von 2013 (Standardklasse) stellte sich in Bicester der absoluten Weltelite dieses lautlosen Sports: Nur 18 Teilnehmer sind über eine Weltrangliste für

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den „FAI Sailplane Grand Prix – World Series VII“ (F1) qualifiziert. Beim siebten Rennen der zehnteiligen Serie stand Omsels in Großbritannien erstmals ganz oben auf dem Treppchen und hat sich damit für das Finale 5. bis 12.November in Potchefstroom/Südafrika qualifiziert.

Segelflugwettbewerbe sind normalerweise kein für Zuschauer besonders attraktiver Sport. Nicht nur spielen sich die Flüge in großen Höhen direkt unter den Wolken ab, sondern es gibt für den Abflug auf die Wettbewerbsstrecke auch ein Zeitfenster, in dem sich jeder Pilot für den für ihn günstigsten Moment entscheiden kann. Dabei spielen nicht zuletzt taktische Überlegungen gegenüber seinen direkten Konkurrenten eine Rolle. Um den Sport attraktiver zu machen, wurde vor einigen Jahren mit der F1 nicht nur eine Liveberichterstattung eingeführt: Bei einigen Rennen wird das Bild von Onboard-Kameras zusammen mit Telemetriedaten (Höhe, Geschwindigkeit, Kurs) live auf Bildwände am Boden übetragen. Sondern wegen des Massenstarts ist auch derjenige Sieger, der am Platz als erster die Ziellinie überfliegt!

Die Wettbewerbe laufen wegen der Wetterunsicherheiten stets über mehrere Tage. Denn Segelflieger brauchen Sonneneinstrahlung für ihren umweltfreundlichen Sport sie brauchen Thermik (warme, aufsteigende Luftmassen). „Das Wetter auf der Insel hat ja nicht gerade einen guten Ruf“ berichtete Omsels, dafür sei dort aber immer eine frische Luftmasse vom Atlantik vorhanden. Drei Wertungstage des siebentägigen Wettbewerbes waren am Ende fliegbar. „Klar und frisch war die Luft am ersten Tag, wir hatten schöne, runde und gut zentrierbare Bärte“ erzählte Omsels (Bärte sind die warme Konvektionsluft). Beim sogenannten Regattastart, der Begriff kommt aus dem Segelsport, werden zwei bis zweieinhalb Stunden dauernde Flüge in Angriff genommen und zwar von allen gleichzeitig. Nur 135 Kilometer flog man am ersten Tag, Starkwind mit 45 Kilometern pro Stunde und eine niedrige Wolkenbasis stellten eine große Herausforderung dar – nur die Häfte des Feldes kam überhaupt herum (es werden Dreiecks- oder Vierecksstrecken zurück zum Ausgangsflugplatz geflogen). Die anderen gelangten entweder mit Hilfsmotor zurück, oder landeten auf Äckern - Omsels wurde Siebter. „Pure Euphorie“ erlebte er aber am zweiten Tag, wo er Sieger wurde. „Die anderen haben konservativ gekreist, ich aber bin schon 100 Meter unter Gleitpfad abgeflogen und habe 45 Kilometer geradeaus tragende Linien gefunden und den Platz erreicht!“ Hochleistungssegelflugzeuge können nämlich aus 1000 Meter Höhe bis zu 60 Kilometer weit gleiten, das ist der „Gleitpfad“. Wer darunter abfliegt, also den Aufwind unter der Wolke verlässt, riskiert den Flugplatz nicht zu erreichen und damit Tagesletzter zu werden. Bei Omsels war das Pokerspiel aufgegangen, er lag jetzt auf Gesamtrang eins und die Anderen mussten am driten Tag kontern.

Das gelang ihnen nicht: Mit einem zweiten Tagesplatz machte Omsels den Sack zu! „Die Wetterlage war mit reichlich Schauern gespickt und labil. Eine sogenannte schleifende Kaltfront (Segelflieger sind auch gute Meteorologen, Anm.d.R.) führte aber zu Wolken-Aufreihungen, so dass ich auf 103 Kilometern insgesamt nur fünfmal kreisen musste und den Rest der Strecke geradeaus geflogen bin.“ Ein sagenhafter Stundenschnitt kam dabei heraus, Omsels, der beruflich Kapitän bei Condor ist und die großen Metallvögel fliegt, brach mit 154 Kilometern pro Stunde nebenbei auch noch den britischen Rekord für 100 Kilometer-Dreiecke.

Weitere Informationen zum LSC und der Grand-Prix Serie im Netz unter www.lsc-badhomburg.de und www.sgp.aero.

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