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Sonntag, 14 Oktober 2012 12:08

Ein Überlandflug in der LS4

geschrieben von 

Wenn man mit einem Segelflieger längere Distanzen zurücklegen möchte, spricht man vom sogenannten „Überlandfliegen". Die Vorbereitung für so einen Flug beginnt in der Regel ein bis zwei Tage vorher.

Ab Mitte der Woche gibt es Wetterprognosen über Thermik, Wolkenhöhe und Windgeschwindigkeit für das kommende Wochenende, man beobachtet und analysiert die Wettermodelle, schließlich ändern sich die Prognosen immer wieder. Man fängt an sich eine Strecke zu überlegen. Und viele Fragen gehen einem durch den Kopf: Wie viele Kilometer kann man möglicherweise Fliegen? Wie gut sind die eigenen Fähigkeiten? Wie ist die Struktur der Thermik? Dazu spricht man mit älteren Piloten, die schon wesentlich mehr Erfahrung haben und einem jungen Piloten wie mir (Moritz Gnisia) immer hilfreiche Tipps zur Wetterlage und Strecke geben können. Häufig versucht man auch mit anderen gleichstarken Piloten zusammen zu fliegen. Bei diesem Flug bin ich mit Florian Jäger zusammen geflogen, der auch an dem Wettbewerb in Anspach/Ts. teilnimmt.
MoritzAm 17.6 war es dann mal wieder soweit, es wurde relativ starker Wind aus Südwesten mit guter Thermik vorhergesagt. Allerdings sollte der Wind zum Abend hin nachlassen. Nachdem wir die beiden LS4ren gecheckt und vom Trinkbeutel bis zum Logger (ein GPS- Gerät zum Aufzeichnen des Fluges) alles verstaut hatten, haben wir die Route mit den Fluglehrern Patrick Weiss und Henrik Lügthe überarbeitet. Der Plan war es nun, zunächst zum Flugplatz Langenberg (westlich von Bad Hersfeld), dann nach Schameder (Sauerland) gefolgt von Nastätten und wieder zurück in den Taunus zu fliegen. Dies war eine Strecke von 320km.
Um einen schnelleren Anschluss an die Thermik zu finden sind wir im Flugzeugschlepp gestartet, ich als erster, Florian als zweiter. In gut 700m über Grund habe ich ausgeklinkt und nach Thermik gesucht, allerdings konnte ich keinen Anschluss finden und musste wieder landen. Bei dem zweiten Versuch hat alles geklappt und es konnte losgehen, in einer Höhe von 1200m über Grund sind wir beide in Richtung Obermörlen abgeflogen. Zehn Minuten später waren wir 300m tiefer und mussten wieder in Thermik aufsteigen, um weiter fliegen zu können.
So „hangelten" wir uns von Thermikblase zu Thermikblase. Natürlich versucht man die
Gleitstrecken immer wieder zu verlängern, damit man so wenig wie möglich Kreise fliegen muss.
Schließlich bedeutet Kreisen, dass man auf der Stelle stehen bleibt und nur nach oben steigt. So kann man natürlich keine Strecken zurücklegen. Während man steigt, überlegt man sich, wie man möglicherweise weiter Fliegen will. Fragen, die man beantworten muss: Wie ist die Struktur der Wolken auf den kommenden Kilometern? Lösen sich die Wolken vielleicht auf? Gibt es Wolkenstraßen (Aufreihung von vielen Wolken hintereinander)? Wie sind die Außenlandemöglichkeiten? (Wenn man keinen Anschluss zur Thermik findet, muss man entweder auf einem Flugplatz oder Acker/Feld landen) Auf StreckeMan muss immer wieder Entscheidungen treffen, dies erfordert immer vollste Konzentration. Nichtsdestotrotz macht es ziemlich viel Spaß, unter den Wolken her zu fliegen.
Auch wenn die GPS Technologie inzwischen auch im Segelflug Einzug gehalten hat, so muss man immer noch mit der Karte navigieren. Man orientiert sich an Landschaftsmerkmalen, die auch aus der Luft gut zu erkennen sind, denn das GPS kann immer ausfallen.
Nach anderthalb Stunden waren Florian und ich am Flugplatz Langenberg angelangt, ich war allerdings ein Stück tiefer als Florian. So ist er schon mal weiter geflogen, von da an trennten sich unsere Wege.

Ich konnte nun beobachten, wie sich die Wolken teilweise auflösten, als Anfänger muss man jetzt versuchen so hoch zu bleiben wie möglich, d.h. wiederum ich musste relativ häufig kurbeln und ich kam dadurch nicht sehr schnell voran. Als ich bei Homberg/Ohm angelangt war, entschied ich mich dafür wieder nach Anspach zurück zu fliegen. Da es immer wieder Flugplätze im Gleitbereich gab, konnte ich mich langsam zurück tasten. Die Thermik war zum Glück immer noch aktiv und so konnte ich kurz vor Butzbach mich auf Endanflughöhe kurbeln, meine Höhe war nun ausreichend, um in Anspach wieder sicher zu landen. Es war ein sehr schönes Gefühl nach „Hause" zu gleiten und man hatte es wieder einmal geschafft. Am Ende hatte Florian 220km und ich 200km geflogen, wir waren beide geschafft, aber glücklich!

(Moritz Gnisia)

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