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Was die Alliierten vergessen hatten...

Was tut ein Verein, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, um seinen Sport auszuüben, der ihm streng verboten ist? Er baut ein Flugzeug! Unser LSC schlüpfte nämlich schlau durch eine Gesetzeslücke: Das Kontrollratsgesetz untersagte zwar die Ausübung des Luftsports, nicht aber den Bau von Segelflugzeugen. Also war von der ersten Stunde an das erste Ziel der neugegründeten Gruppe die Beschaffung eines Fluggeräts. Das war nicht überall so; die Nachbargruppe in Oberursel baute zuerst eine Startwinde. Für den LSC hatte 1951 die Stunde Null geschlagen: Aus der Bad Homburger Segelfluggruppe der Vorkriegszeit war nur noch ein Mitglied da - Wilhelm Riehl - und es gab keinerlei Gerät oder sonstiges Vermögen. Die wirtschaftliche Lage der Gründungsmitglieder war zumeist schlecht, so dass der Kauf eines Flugzeugs ausschied.

Wir einigten uns auf den Eigenbau eines Grunau Baby III. Ein Doppelsitzer wäre richtiger gewesen, das hätte aber die finanziellen und technischen Möglichkeiten des LSC weit überstiegen. Die Baupläne waren bald beschafft und eine erste Materialspende der Firma PIV-Werner Reimers KG in Bad Homburg ermöglichte den Baubeginn. Eine Werkstatt fanden wir in Kirdorf in der Hauptstraße 47 bei Christoph Ament, einem Ur-Kirdorfer, genannt der ,,Keile-Christoph". Er war Stellmacher und entsprechend war die Werkstatt ausgerüstet. Für den Flugzeugbau war kaum etwas zu gebrauchen. Wir hatten zwar Platz, mussten aber auch auf den Christoph Rücksicht nehmen. Er nannte unser entstehendes Werk nur „Fläimaschin". Werkzeug musste jeder so weit wie möglich
selbst mitbringen.

StartstelleWährend in Kirdorf die Flächen gebaut wurden, begannen wir in der Schreinerwerkstatt von Josef Prangenberg mit dem Bau des Rumpfs. Es ging durchaus nicht immer zügig voran; denn mal fehlte Material, mal Spezialwerkzeuge oder Beschläge. In dieser Zeit, als wir nicht fliegen, sondern nur arbeiten konnten, fehlte manchem das nötige Stehvermögen. Es dauerte bis zum Oktober 1953.
Da war das Baby endlich fertig zur Abnahme durch den Bauprüfer. Auf dem Kurhaus-Vorplatz wurde das Flugzeug von einem Vertreter der Stadt Bad Homburg getauft. Er übergab dem 1. Vorsitzenden einen Scheck über 1.000 DM, was zu dieser Zeit ein fast fürstliches Geschenk war.

Im Frühjahr 1954 war das Baby III dann endlich offiziell zugelassen. Die Alliierten hatten inzwischen eingesehen, dass man den Deutschen das Fliegen nicht länger verbieten könne - und so konnte unser Flugzeug in Egelsbach seinen ersten Start machen. Damit war zwar für den LSC ein Meilenstein erreicht, doch nun fehlte ein Unterstellplatz für das Flugzeug. Schließlich wurde von Freunden eine leerstehende Remise im Park Adelheidswert (Englischer Garten) zur Verfügung gestellt und die Firma Peters-Pneu-Renova in Dornholzhausen stiftete das Grundgestell für einen Transportwagen. Die Aufbauten wurden dann wieder in Eigenarbeit hergestellt und montiert. Man sieht, der Wille versetzt Berge und schafft wahre Wunder, auch Flugplätze und anderes mehr. Doch das wäre schon wieder die nächste Geschichte.

(Gerd Heinecke)

 

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